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Alena's Couture-Kolumne

Veröffentlicht am 08.10.2018

Alena ZasulskayaAlena Zasulskaya

„Guten Tag, hätten Sie einen Jumpsuit in XL da?“

„Meine Liebe, Sie sind hier...

...bei Calvin Klein und nicht bei ASOS!“

Couture erträgt dich nicht so wie du bist. Haute Couture erst recht nicht.

Das ist eine echte Katastrophe für mich, denn ich habe immer davon geträumt Sandaletten von Jimmy Choo und einen doppelreihigen Blazer von Balmain zu tragen. Die Wahrheit ist jedoch, dass solche Klamotten für den Körper von Bella Hadid und nicht für Alena Zasulskaya genäht werden.

Ich bin geboren und aufgewachsen in Russland, in einer Stadt, in der einem niemand glauben wird, dass Schuhe 800 Bugs kosten können. Eine Niere?! ...vielleicht... aber bestimmt keine Schuhe.

Ich erinnere mich noch daran, als ich zum ersten Mal Naomi Campbell in einer Zeitschrift gesehen habe und sofort so werden wollte wie sie. Meine Eltern haben mich sogar auf eine Model-Schule geschickt und ich habe fleißig Möhrchen gefuttert, damit ich in ein Kostüm passe und welch Wunder, ich habe sogar ein paar Läufe absolviert auf einem städtischen Laufsteg... ...das war`s dann aber auch. Ich war sieben oder acht, hatte irgendwann keinen Bock mehr auf Möhrchen und die Lehrer in der Model-Schule sagten mir eine düstere Model-Karriere voraus, als Kind und als Mensch sei ich aber voll dufte.

Danach habe ich angefangen zu zeichnen. Ich hatte immer Ideen für Mode-Entwürfe und ich habe mich immer selbst darin gesehen, wie ich damit über einen Laufsteg gehe und niemand kann seine Augen von mir lassen. Wenn ich mir jedoch heute diese Skizzen anschaue, dann denke ich, dass ich mich noch nicht mal trauen würde darin den Müll rauszubringen. Mein Kopf ist aber immer noch voller Ideen und wenn ich mich hübsch angezogen habe und auf dem Weg nach Hause bin, dann stelle ich mir vor, dass ich über einen Laufsteg laufe und dass ich das wichtigste Model dieser Show bin, ein 80 Kilo-Plus-Plus-Size-Model, wenn man so will.

Ich glaube nicht, dass ich einen Video-Blog machen könnte, denn dort muss man so Sachen sagen wie: „Heute trage ich ein Hemd von Dior...“ Sowas kann ich nicht sagen, denn in Wahrheit trage ich ein Hemd der Marke „Das einzige Hemd im Laden, das meine Größe hatte.“ Kenn Sie diese Hemd?!

Fast mein ganzen Leben lang habe ich mir Jeans der Grösse 52/54 gekauft - Herren-Jeans, da sie in der Frauenabteilung keine passenden Größen hatten. Ich habe sieben Jahre lang Männer-Jeans getragen... ...ich habe so lange Männer-Jeans getragen, dass ich befürchtet habe, mir würde ein Ding wachsen.

Hier bei uns in Russland haben wir Klamottenläden für übergewichtige Frauen mit erniedrigenden Namen wie „Fluffy“ oder „Big Size“. Die Mode in diesen Läden ist derart hässlich und geschmacklos, dass man annehmen könnte, nur weil man viel isst würde man automatisch seinen Sinn für Mode verlieren. Das allerschlimmste jedoch ist, dass ein Geschäft für Übergrößen deine Größe nicht führt. Wo soll man dann noch hin? In ein Geschäft für GIGANTISCHE Größen, oder in ein Fitness-Studio und dort so lange bleiben, bis man wieder in irgendetwas hinein passt?!

Was sagst du denn dazu du Fashion Industry?

Manchmal denke ich wirklich, dass die Mode uns normale, reale Mädchen und Frauen auslacht. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir zurücklachen können, denn wir sind es nicht, die Schuhe entwerfen, die aussehen wie Pferdehufe und Models auf den Laufsteg schicken mit Hosen, deren Taillen so hoch sind, dass man sein Brüste da reinpacken kann.

Es stimmt schon, Couture nimmt uns nicht wie wir sind, unser Geschmack tut es aber. Ihr müsst schon mutig sein, um so zu sein wie ihr wirklich seid und um Euch so zu kleiden wie es Euch gefällt. Und das, meine Lieben ist die einzig richtige Entscheidung, die man treffen kann. Ihr müsst nicht jemandem oder etwas entsprechen und wenn ein Pulli von DKNY nur in Grösse 42 verfügbar ist, dann trägt man ihn eben als Gürtel oder fährt für das Geld, den das Teil kostet für eine Woche ans Meer.

Ich liebe Mode und ich träume davon die Pariser oder New Yorker Modewoche zu besuchen. Ich vergöttere Balenciaga (die Epoche von Demna Gvasalia) und Calvin Klein (die Epoche von Raf Simons), aber ich liebe nun mal auch Spareribs in süß-sauerer Sauce.

Ich bin nun mal ich.

 

©: Alena Zasulskaya. / Instagram: @zasulskaya

Interpretation: Roman Hoffmann / Instagram: @romanhoffmannpoetry