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Mein Treffen mit Yuri Kozyrev

Veröffentlicht am 08.07.2018

Wir haben uns zufällig getroffen, es war geschäftlich. Doch diese Begegnung wirkt noch immer nach. Wir haben nur ein paar Stunden miteinander verbracht, aber es hat gereicht um zu empfinden.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich je einem Kriegsfotografen begegnen würde. Ein vernarbter Bote aus den Teilen unserer Welt, die wir Menschen zur Hölle machen und wo wir tiefste Wunden, Zerstörung und Unwiederbringlichkeit hinterlassen...

Auf mir unerklärliche Weise reist Yura seit Jahrzehnten genau dorthin und kommt auch irgendwie wieder zurück mit dem kalten Fazit, dass seine Bilder immer mehr verblassen vor den Augen derer, die hinschauen. 

Seine Bilder, ich kenne solche Bilder, die kennen wir alle und es werden immer mehr und durch das Mehrwerden erreicht uns dieses Gräuel immer weniger - so scheint es. Das, was wir auf diesen Bildern sehen ist bereits so sehr vorhanden und hat sich so sehr bereitgemacht, dass wir davor kapitulieren. Mit jedem dieser Bilder nehmen wir es hin anstatt es zu ändern. Wir sehen einfach nur zu, dass der eigene Arsch im Sicheren ist und dass wir selbst nicht dort landen, wo diese Bilder geschossen werden.

Die Bilder, sie sind genau das was sie sind: Botschaften des Leides... ... und der Botschafter?!X Beinahe wünsche ich mir ich hätte ihn nicht getroffen, denn erst durch ihn habe ich das alles gesehen, was er gesehen hat und ich habe es angefasst. Beinahe - es ist wirklich schwer und ich muss nicht mehr davon haben, denn jedes dieser Bilder ist genug und nicht zu verarbeiten...

Die paar Stunden, die Yura und ich mit einander verbracht haben, die paar Worte... ...doch es hat gereicht. Yura hat nicht viel darüber gesprochen was er macht, doch er hat das, was er bezeugen kann greifbar gemacht. Es sind nun, zumindest für mich keine Bilder mehr.

Yuri Kozyrev - Fotojournalist, Kriegsfotograf →

(Ausgabe 2)

 

 

Foto: Yuri Kozyrev / Chechnya DECEMBER 1999: The Chechen refugees look through the window of the bus on

the border with Ingushetia. Chechens fled to neighbouring Ingushetia since the 2nd Chechen war started in 1999.

Poem: Roman Hoffmann